Lebensmittelallergien bei Babys

Lebensmittel allergien Baby

Bei welchen Lebensmitteln lösen bei Babys Allergien aus?

Beim Wort Lebensmittelallergie zuckst du vielleicht zusammen und denkst: Oh nein, bloß nicht bei meinem Kind! 

Zunächst einmal möchte ich dich beruhigen: Nur weil ein Baby jetzt sensibel auf bestimmte Lebensmittel reagiert, heißt es noch lange nicht, dass es ein Leben lang mit Einschränkungen leben muss. 

Trotzdem gibt es aber ein paar grundsätzliche Dinge, die man bei der Auswahl von Lebensmitteln berücksichtigen sollte, um Probleme zu vermeiden.
In diesem Beitrag gebe ich dir Einblicke in die allgemeinen Empfehlungen und meinen persönlichen Umgang damit.

Lebensmittelallergie Baby

Was sind die häufigsten Allergene?

Lebensmittelunverträglichkeiten sind bei Kleinkindern recht häufig. Immerhin 4% sind davon betroffen. Das ändert aber nichts daran, dass die Eltern bei Reaktionen verunsichert sind.

Sie fragen sich: Wie können wir unser Baby schützen? Was kann ich meinem Kind zu essen geben und was nicht?

Generell reagieren Babys sensibler auf Fremdstoffe als Erwachsene. Das hängt vor allem damit zusammen, dass sich ihr Immunsystem noch entwickelt und der Darmtrakt noch nicht völlig ausgereift ist. Eine wichtige Basis wird bereits bei der Geburt und dann durch das Stillen gelegt.

Häufige Allergene

Zu den häufigsten Allergenen gehören:

  • Milch
  • Eier
  • Fisch und Schalentiere
  • Nüsse
  • Weizen
  • Sojabohnen

In bis zu 90 Prozent der Fälle sind Grundlebensmittel die Auslöser für allergische Reaktionen im Säuglings- und Kleinkindalter. Meist reagieren die Kinder dabei nur auf ein bis zwei unterschiedliche Lebensmittel.

Was sind die aktuellen Empfehlungen der offiziellen Stellen?

Folgende Dinge haben meine Recherchen ergeben: Früher wurde empfohlen, Allergene im ersten Lebensjahr nicht zu füttern. Dieser Gedanke hält sich bis heute hartnäckig.
So wurde unserer Elterngeneration oft geraten, mindestens im 1. Lebensjahr lieber ganz auf Milch und Eier zu verzichten.

Die heutigen Empfehlungen sehen ganz anders aus.

Das sagen Wissenschaft und Experten zur Allergieprävention

"... Beikostprodukte mit starken Nahrungsmittelallergenen sollten wie alle anderen Beikostprodukte ab dem 5.–7. Lebensmonat eingeführt werden. Eine späte Einführung der Beikost nach dem 7. Monat oder eine generell allergiearme Beikost haben keinen Nutzen für die Allergieprävention und werden nicht empfohlen. ... Für einen präventiven Effekt in Bezug auf Allergien durch Verzögerung der Einführung von Beikost über den vollendeten 4. Monat hinaus gibt es keine Belege, auch nicht bei Kindern aus atopiebelasteten Familien."

Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) (2014)

"Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es in Bezug auf Allergieprävention keine Einschränkung in der Lebensmittelauswahl mehr. Ein verzögertes Einführen von potent allergenen Lebensmitteln über den Beginn des 5. Lebensmonats hinaus kann nicht mehr empfohlen werden. ... Eine Restriktion von potent allergenen Lebensmitteln, wie beispielsweise Fisch oder Ei, hat keine positiven Auswirkungen hinsichtlich der Allergieprävention. Ein Weiterstillen während der Beikosteinführung ist aus allergiepräventiver Sicht zu empfehlen."

Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (2010)

"Einführung von Beikost Es gibt keine Evidenz dafür, dass das Meiden respektive die verzögerte Einführung von potentiell allergenen Nahrungsmitteln in der Beikost das Allergierisiko vermindern kann, unabhängig von der familiären Atopiebelastung. Neue Studien legen im Gegensatz sogar nahe, dass eine vielfältige Beikost im ersten Lebensjahr primärpräventiv wirken könnte, und dass eine frühe Einführung von Beikost zumindest nicht schadet, eventuell sogar einen Nutzen bringt. Basierend auf diesen Daten empfiehlt die Ernährungskommission der SGP, dass bei allen Kinder, unabhängig vom familiären Atopiestatus, ab dem 5. bis 7. Lebensmonat (also nach vollendetem 4. bis 6. Lebensmonat) in altersgerechter Form schrittweise Beikost eingeführt wird, um am Ende des ersten Lebensjahres eine vielfältige Ernährung zu erreichen."

Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und Mitverfasser des EEK-Berichts (2017)

"Für nicht gestillte Säuglinge mit erhöhtem Allergierisiko wird im 1. Lebenshalbjahr eine partiell hydrolysierte industriell hergestellte Säuglingsnahrung (HA-Nahrung) empfohlen, mindestens bis zur Einführung der Beikost. Die Empfehlungen für den Einführungszeitraum und die Reihenfolge der Beikost gelten für alle Säuglinge einheitlich, d. h. auch für Säuglinge mit erhöhtem Allergierisiko. Eine Einschränkung bei der Lebensmittelauswahl, z. B. bei Kuhmilch, Weizen oder Fisch, ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht sinnvoll."

Ernährungs Umschau - Update Säuglingsernährung (12/2016)

Empfehlung heute: Allergene häufig und früh geben

Biete Allergene früh und häufig an. 

Sprich mit deinem Kinderarzt, wenn ein Elternteil oder Geschwister eine Lebensmittelallergie haben.

Oft habe ich die Empfehlung bekommen, drei Tage hintereinander das gleiche Lebensmittel zu geben, um Allergien auszuschließen. Dies ist aber weder praktisch noch eine Garantie dafür, später keine Allergie zu bekommen. Denn: Gewöhnlich entwickeln sich Lebensmittelallergien über einen längeren Zeitraum und nicht „von jetzt auf gleich“.

Gibt man Babys Allergene, wie beispielsweise Ei oder Fisch, während gleichzeitig noch gestillt wird, kann das Risiko für eine spätere Allergie gesenkt werden. Wenn du die Grundprinzipien von BLW befolgst, trägst du also automatisch zur Verringerung des Allergierisikos bei.

Fazit: Es gibt heute keine Empfehlung mehr Allergene zu meiden, sofern der zuständige Arzt nichts anderes sagt.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Allergien

Dürfen Säuglinge im 1. Lebensjahr Kuhmilch bekommen?

Sollten in den ersten 12 Lebensmonaten keine Kuhmilch trinken. Generell ist Kuhmilch nicht als Ersatz für Muttermilch oder Flaschenmilch zu verwenden. Babys dürfen ab dem 1. Lebensjahr maximal 200 ml Kuhmilch am Tag trinken. Es sollte keine Rohmilch sein.

Ab wann und wie viele Eier darf mein Baby essen?

Ja, ab dem 9. Monat 1-2 Mal die Woche. Da die Nieren der Kleinen noch nicht so gut funktionieren wie bei einem Erwachsenen, können sie vorher durch den hohen Proteingehalt von Eiern überfordert werden.
Wichtig: Aufgrund der Salmonellengefahr sollten Eier nie roh gegeben werden!
Die Aussage, dass Eier erst ab dem 2. Lebensjahr gegeben werden dürfen, ist falsch. Es besteht KEIN erhöhtes Allergierisiko, wenn Eier früh gegeben werden!

Ab wann darf mein Baby Fisch essen?

Ein wichtiges Grundprinzip von BLW lautet: Das Kind bekommt keinen Brei, sondern lernt im Rahmen der Beikosteinführung von Anfang an „richtiges Essen“ kennen – also das, was auch wir Erwachsenen auf dem Teller haben. Solange du diese Ausnahmen berücksichtigst, ist daher auch Fisch kein Problem. Wichtig ist lediglich, dass der Fisch immer gut gegart ist, keine Gräten enthält und in kindgerechten Stücken serviert wird. Anders als oft behauptet besteht KEIN erhöhtes Allergierisiko, wenn Fisch früh gegeben wird!

"Dies gilt auch für hochallergene Lebensmittel wie Fisch und Ei. Vielmehr liegen Hinweise dafür vor, dass Fischkonsum im 1. Lebensjahr einen protektiven Effekt hinsichtlich der Entwicklung atopischer Manifestationen."

Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) (2014)

Darf mein Baby Nüsse oder Produkte, die Nüsse enthalten, essen?

Wenn kein Allergierisiko durch die Familie besteht, spricht nichts gegen Nüsse. Wie im Beitrag Was dürfen Babys nicht essen beschrieben, sollte aber darauf geachtet werden, dass keine Verschluckgefahr besteht.

"Erdnüsse und Nüsse (ganze Stücke oder grob zerkleinert) sind im Säuglings- und Kleinkindalter aufgrund der Aspirationsgefahr zu vermeiden. ... Fein geriebene Erdnüsse und Nüsse als Zutat in diversen Speisen stellen kein Aspirationsrisiko dar und erhöhen auch das Allergierisiko nicht."

Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (2010)

Ab wann darf mein Baby Sojaprodukte essen?

Kinder- und Jugendärzte raten davon ab, sojahaltige Säuglingsnahrung zu verwenden, wenn keine medizinische Notwendigkeit für die Kleinen besteht. Einerseits ist der Nährstoff- und Energiegehalt wesentlich geringer als in Mutter- oder Flaschenmilch, andererseits enthält Soja hormonähnliche Stoffe, über deren langfristige Wirkung es noch keine Erkenntnisse gibt.

Mehr zum Thema erfährst du in meinem Beitrag: Was dürfen Babys NICHT essen?

Ida bekommt alles ohne Einschränkungen

Jetzt möchtest du sicher wissen, wie ich mit den Empfehlungen umgehe.
Ich persönlich gebe Ida alles ohne Einschränkung (außer Kuhmilch, aber aus einem anderen Grund) und behalte die Reaktionen im Auge. Mehr nicht! 😊

Wie geht ihr damit um? Gebt ihr Lebensmittel auf der obigen Liste?

Lesetipp: Wenn du mehr über die Bedeutung und die Gesundheit vom Darm erfahren möchtest, empfehle ich das Buch: Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ von Giulia Enders. Hier wird auch auf die Erstbesiedelung des Darmmikrobioms bei Säuglingen eingegangen.