Kurz gesagt: Verstopfung beginnt bei vielen Babys mit dem Beikoststart, besonders wenn sie Brei bekommen. Meist helfen schon weniger Beikost und mehr Milch, Lebensmittel wie Birne, Pflaume oder Aprikose, ein paar Schlucke Wasser und Bewegung. Hat dein Baby Blut im Stuhl, Fieber, erbricht es oder wirkt es krank, gehst du zum Kinderarzt.
Woran erkenne ich Verstopfung beim Baby?
Ein voll gestilltes Baby, das noch keine Beikost bekommt, hat nach den ersten Wochen oft nur noch einmal pro Woche Stuhlgang oder sogar seltener. In meiner Beratung erlebe ich auch Pausen von bis zu 10 Tagen. Das ist normal, solange der Stuhl dann weich ist, dein Baby nasse Windeln hat, gut zunimmt und munter ist.
Mit dem Beikoststart ändert sich das. Ärzte sprechen von Verstopfung, wenn dein Baby weniger als zweimal pro Woche Stuhlgang hat und der Stuhl hart und trocken ist, es stark presst oder dabei Schmerzen hat.
In meinem Leitfaden „Hilfe, mein Baby hat Verstopfung“ findest du eine Stuhltabelle von flüssig bis hart und eine Übersicht, welche Stuhlfarbe was bedeutet.
Warum kommt Verstopfung oft mit dem Beikoststart?
Der Darm muss sich erst an feste Nahrung gewöhnen. Verstopfung ist bei Babys deshalb sehr häufig, vor allem bei Babys, die mit Brei gefüttert werden. Brei ist kompakt, wird nicht gekaut und oft schon in großen Mengen gegessen. Dabei ist Kauen ein wichtiger Schritt: Im Mund beginnt die Verdauung mit den ersten Enzymen, und der Körper stellt sich langsam darauf ein. Beim Brei fällt dieser Schritt weg.
Häufige Gründe für Verstopfung:
- zu früher Start, vor der Beikostreife
- zu viel Beikost auf einmal, besonders zu viel Brei
- die Milch wird zu schnell ersetzt, dein Baby trinkt weniger
Was hilft? 10 sanfte Maßnahmen
- Weniger Beikost, mehr Milch: Biete wieder mehr Muttermilch oder Pre-Milch an und fahre die Beikost eine Weile zurück, damit sich der Darm gewöhnen kann.
- Mehr Fingerfood, weniger Brei: Was dein Baby selbst kaut, ist für die Verdauung leichter.
- Birne, Pflaume, Pfirsich und Aprikose anbieten: Sie enthalten Sorbit. Das zieht Wasser in den Darm und macht den Stuhl weicher.
- Vollkorn statt Weißmehl: Vollkorn liefert mehr Ballaststoffe.
- Ein paar Schlucke Wasser zu den Mahlzeiten: Sobald dein Baby Beikost isst, darf es ein paar Schlucke Wasser aus dem Becher trinken, aber keine großen Mengen. Muttermilch oder Pre-Milch bleiben das wichtigste Getränk. Wie viel Wasser in welchem Alter passt und warum zu viel gefährlich sein kann, liest du in meinem Beitrag Wasser für Babys: wann, wie viel und welches?
- Leinsamen in den Brei: Geschrotete Leinsamen übergießt du vorher mit heißem Wasser und lässt sie quellen. Die Schleimstoffe in der Schale machen den Stuhl weicher. Öl hat diese Wirkung nicht.
- Viel Bewegung: Bauchlage und Spielen auf dem Boden regen den Darm an.
- Bauchmassage: sanft im Uhrzeigersinn um den Nabel streichen.
- Warmes Bad: Es entspannt die Bauchmuskeln.
- Pre-Milch genau nach Packungsangabe anrühren: Zu konzentriert angerührt, kann sie verstopfen.
Alle Maßnahmen Schritt für Schritt
In meinem Leitfaden „Hilfe, mein Baby hat Verstopfung“ beschreibe ich dir alle 10 Maßnahmen ausführlich, mit einer bebilderten Anleitung zur Bauchmassage, einer Stuhltabelle und einer Übersicht zu den Stuhlfarben. Für Babys ab Beikostreife bis 12 Monate.
Lebensmittel, die bei Verstopfung helfen können
| Gruppe | Lebensmittel |
|---|---|
| Obst | Birne, Pfirsich, Pflaume, Aprikose, Feige, Kirsche, Mango, Papaya, Orange, Drachenfrucht, Wassermelone |
| Gemüse und Hülsenfrüchte | Kürbis, Süßkartoffel, Erbsen, Bohnen, Spinat, Spargel |
| Nüsse und Saaten | Haselnussmus, Pistazienmus, Leinsamen |
Im Leitfaden steht zu jedem Lebensmittel, wie du es sicher zubereitest, auch als Fingerfood. Gerade wenn dein Baby vom Brei Verstopfung hat, lohnt sich der Wechsel zu mehr Fingerfood.
Stopfen Karotte, Reis und Banane wirklich?
Oft heißt es pauschal, Karotte, Reis, Weizen oder Banane würden stopfen. Das hängt aber vom Baby ab und davon, wie es das Lebensmittel bekommt. Der Mythos um die Karotte kommt daher, dass viele Eltern mit Karottenbrei starten und davon gleich zu viel geben. Der Brei wird nicht gekaut, und das Baby bekommt Verstopfung. Das liegt dann nicht an der Karotte, sondern an der Menge Brei und am fehlenden Kauen.
Verstopfung mit 6 oder 8 Monaten
Mit 6 Monaten steckt meist der neue Beikoststart dahinter: weniger Beikost, mehr Milch, mehr Fingerfood. Mit 8 Monaten isst dein Baby schon mehr. Dann achte auf Vollkorn, genug Obst und Gemüse und ein paar Schlucke Wasser zu den Mahlzeiten.
Wann solltest du zum Kinderarzt?
- Blut im oder am Stuhl
- Fieber oder anhaltendes Erbrechen
- stark aufgeblähter oder harter Bauch
- dein Baby nimmt nicht zu, trinkt schlecht oder wirkt schlapp
- die Verstopfung hält an oder kommt immer wieder
Abführmittel oder Einläufe gibst du nur nach Absprache mit dem Kinderarzt.
Häufige Fragen
Wie viele Tage ohne Stuhlgang sind beim Baby normal?
Bei voll gestillten Babys ohne Beikost sind auch mehrere Tage normal, solange es dem Baby gut geht. Mit Beikost spricht man von Verstopfung, wenn dein Baby weniger als zweimal pro Woche Stuhlgang hat und der Stuhl hart ist oder Schmerzen macht.
Hilft Wasser bei Verstopfung?
Ein paar Schlucke Wasser zu den Mahlzeiten sind ab dem Beikoststart in Ordnung, große Mengen nicht. Muttermilch oder Pre-Milch bleiben weiter das wichtigste Getränk, vorher braucht dein Baby nur Milch. Wie viel Wasser passt, steht in meinem Beitrag Wasser für Babys.
Darf ich meinem Baby ein Abführmittel geben?
Nur nach Absprache mit dem Kinderarzt. Probier zuerst die sanften Maßnahmen.
Merk dir den Beitrag auf Pinterest, dann findest du ihn wieder, wenn du ihn brauchst.


Hilfe, mein Baby hat Verstopfung: der Leitfaden
Dieser Beitrag gibt dir einen Überblick. In meinem Leitfaden „Hilfe, mein Baby hat Verstopfung“ bekommst du alles, was du brauchst, um deinem Baby sanft und ohne Medikamente zu helfen:
- alle 10 Maßnahmen ausführlich erklärt
- eine Liste verdauungsfreundlicher Lebensmittel, jeweils mit Zubereitungshinweis, auch als Fingerfood
- eine Stuhltabelle von flüssig bis hart, damit du einschätzen kannst, wie stark die Verstopfung ist
- eine Übersicht, welche Stuhlfarbe was bedeutet
- eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Bauchmassage
- Ernährungstipps, damit es gar nicht erst wieder zur Verstopfung kommt
Für Babys ab Beikostreife bis 12 Monate.
Quellen
- gesundheit.gv.at: Verstopfung bei Kindern
- MSD Manual: Verstopfung bei Kindern
- Stillkinder.de, Regine Gresens (IBCLC): Warum drückt mein Baby, aber es kommt nichts?
- AOK: Sorbit
- Verbraucherzentrale: Natürliche Schadstoffe in Lebensmitteln (Leinsamen)