Beikostplan fürs Baby: warum der klassische Breifahrplan nicht immer passt

Kurz gesagt: Ein Beikostplan zeigt dir, in welcher Reihenfolge du Mahlzeiten einführst. Der klassische Breifahrplan, den du auch bei dm findest, ersetzt dabei Schritt für Schritt die Milch. Beikost ergänzt die Milch aber erst mal nur. Du startest ab Beikostreife mit einer Mahlzeit, nimmst nach und nach weitere dazu und bietest weiter Milch an, so lange dein Baby sie möchte.

So sieht ein Beikostplan aus, der zu deinem Baby passt

Eine Orientierung hilft dir trotzdem, vor allem in den ersten Wochen. Sie richtet sich nach deinem Baby und nicht nach dem Kalender. So sieht der Ablauf bei mir aus:

WannBeikostMilch
Start ab Beikostreife (ca. 6 Monate)1 Mahlzeit am Tag, meist mittags, als Brei oder Fingerfoodwie gewohnt, auch nach dem Essen anbieten
nach 4 bis 6 Wochen2. Mahlzeit dazuweiter nach Bedarf
nach weiteren 4 bis 6 Wochen3. Mahlzeit dazuweiter nach Bedarf
ab ca. 10 MonatenFamilienessen, 3 Mahlzeiten und 1 bis 2 Snacksso lange dein Baby möchte

Die Zeiten sind eine Orientierung. Manche Babys essen schneller mehr, andere brauchen länger. Beides ist normal. Neue Lebensmittel darfst du jeden Tag anbieten, auch gemischt. Wichtig ist, dass du nach jeder Beikostmahlzeit weiter Milch anbietest. Erst wenn dein Baby eine Milchmahlzeit von sich aus immer wieder ablehnt, hat die Beikost sie ersetzt.

Womit du am ersten Tag startest, liest du in Beikost starten: welches Gemüse zuerst?. Wenn du ohne Brei starten möchtest, hilft dir BLW Start: so beginnst du mit Baby-led Weaning.

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Der Beikostplan von dm: Was steht drin?

Wenn du „Beikostplan“ googelst, landest du schnell beim Plan von dm. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, haben sich mir die Nackenhaare aufgestellt. Die Grafik zeigt für jedes Alter, welche Mahlzeit Milch ist und welche Beikost. Ich habe sie dir in meinen Farben nachgebaut.

Fairerweise muss ich sagen: dm hat seinen Beitrag im August 2026 überarbeitet. Dort steht jetzt, dass Beikost die Milch ergänzt und nicht ersetzt, dass du auf die Beikostreife achten sollst und dass auf den Gläschen von dmBio und babylove statt „nach dem 4. Monat“ jetzt „ab dem 5. Monat“ steht. Das finde ich gut. Die Grafik ist aber noch die alte. Und die zeigt etwas anderes: Ab dem Start fällt mittags die Milch weg, und mit 10 bis 12 Monaten gibt es nur noch morgens Milch.

Grafik: Der klassische Beikostplan vom 5. bis 12. Monat. Morgens, vormittags, mittags, nachmittags und abends ersetzt Brei Schritt für Schritt Stillen oder Fläschchen.

Beikoststart nach Plan

Du möchtest dich zum Thema Beikost informieren und hast schon gehört, dass es Pläne gibt, die zeigen, wie man Beikost einführt. Also fragst du Google.

Was du findest, sind bunte Grafiken: Beikost einführen nach Plan. Die sehen übersichtlich und logisch aus. Und wenn eine so große Drogeriekette einen Plan herausbringt, dann wird der schon stimmen. Oder?

Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Ein Plan, der seit Jahrzehnten kopiert wird, ist nicht automatisch richtig.

Woher kommt der Breifahrplan?

Der Stufenplan, den du heute in so vielen Varianten findest, ist alt. Herbert Renz-Polster zeigt in seinem Beitrag „Zoff ums Beifüttern“, dass ein ganz ähnlicher Plan schon 1941 im Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer steht. Haarer war eine Vertreterin der schwarzen Pädagogik, also von Erziehung mit Strafen, Kontrolle und Einschüchterung. Ihr Buch war bis 1986 im Buchhandel erhältlich.

Laut Renz-Polster wurde der Plan danach von Ratgeber zu Ratgeber weitergegeben, ohne dass jemand geprüft hat, ob er zu Babys passt. Dass ein Plan alt ist, heißt also nicht, dass er sich bewährt hat.

Was ist falsch am klassischen Beikostplan?

Schauen wir uns die Grafik von dm genauer an, Spalte für Spalte.

Beikostplan 5. bis 7. Monat

Die Angabe „5. bis 7. Monat“ ist nicht falsch. Sie lässt aber Raum für Interpretationen und verunsichert schnell.

Entscheidend ist die Beikostreife. Vorher solltest du nicht mit Beikost starten. Das empfiehlt unter anderem auch UNICEF mit der Baby-Friendly Initiative. Die meisten Babys sind zwischen dem 5. und 7. Monat so weit.

Besser wäre: diese Spalte nicht „5. bis 7. Monat“ zu nennen, sondern „ab Beikostreife“.

In der ersten Spalte stehen 4 Milchmahlzeiten, morgens, vormittags, nachmittags und abends. Mittags gibt es Beikost statt Milch.

Was ist das Problem damit?
Beikost ist keine Ersatzkost, schon gar nicht in den ersten Wochen. Sie kommt zur Muttermilch oder Pre-Milch dazu. So steht es sogar im Duden.

Dein Baby wird nicht von heute auf morgen ein ganzes Gläschen Brei essen. Das kannst du nicht erwarten. Bei Ida und mir hat der erste Versuch in Tränen geendet. Lass deshalb nach 3 Löffeln Brei oder 3 angeknabberten Stücken Fingerfood auf keinen Fall die Milch weg.

Besser wäre: das Kästchen mit der Beikost um die Brust und das Fläschchen zu ergänzen.

Beikostplan 6. bis 8. Monat

Auch diese Zeitspanne setzt dich unter Druck. Wenn dein Baby erst mit 7 Monaten beikostreif war, ist es nicht realistisch, dass es mit 8 Monaten schon 2 Milchmahlzeiten durch Beikost ersetzt hat.

Wie in allen Spalten wirkt es so, als würde die Beikost die Milch ersetzen. Wann das passiert, hängt von deinem Baby ab und nicht von einem Plan.

Abends zeigt die Grafik eine Milchflasche und Getreide. Gemeint ist der Milch-Getreide-Brei. Man kann es aber auch so verstehen, dass dein Baby hier Kuhmilch statt Muttermilch oder Pre-Milch bekommen soll. Das ist unglücklich dargestellt.

Beikostplan 7. bis 9. Monat

Diese Spalte ist besonders spannend. Wenn dein Baby erst mit 7 Monaten mit der Beikost begonnen hat, ist es noch weniger realistisch, dass es mit 8 oder 9 Monaten schon 3 Milchmahlzeiten durch Beikost ersetzt hat.

Die Zeitspannen sollen etwas Spielraum geben, das sehe ich. Es funktioniert aber nicht gut. Und es fehlt weiter der Hinweis, dass du zusätzlich Milch anbietest.

Beikostplan 10. bis 12. Monat

Hier zeigt die Grafik, dass es mit 10 bis 12 Monaten nur noch morgens Milch gibt. Auch das sehe ich kritisch. Gib deinem Baby seine Milch weiter, auch wenn es schon gut isst, bis es sie von sich aus ablehnt. Viele Babys trinken Muttermilch oder Pre-Milch bis weit über den 1. Geburtstag hinaus. Die WHO empfiehlt, neben der Beikost bis zum 2. Geburtstag oder länger zu stillen. Die neue deutsche Leitlinie zur Stilldauer empfiehlt, mindestens bis zum 1. Geburtstag weiterzustillen.

Mit 12 Monaten isst dein Baby im Idealfall 3 bis 5 Mahlzeiten, dazu Muttermilch oder Pre-Milch. Aber welches Baby ist schon ideal? Nimm das als Orientierung, in beide Richtungen.

Kritik am Beikostplan kurz zusammengefasst

Hier noch mal meine Kritik an der Grafik:

Noch ein Problem mit dem Beikostfahrplan

Alle Beikostpläne, die Beikost als Ersatz für die Milch darstellen, haben eins gemeinsam: Sie erwecken den Eindruck, dass die Beikost zum Abstillen da ist. So ist sie aber nicht gedacht. Mit der Beikost lernt dein Baby essen, und sie kommt zusätzlich zu den Milchmahlzeiten.

Wichtig für dich: Dein Baby entscheidet, wann es keine Milch mehr möchte. Nicht du und auch kein Beikostplan. Biete nach jeder Beikost die gewohnte Milch an, bis dein Baby sie immer wieder ablehnt. Erst dann hat die Beikost eine Milchmahlzeit ersetzt.

Beikost muss nicht Breikost sein

Eine Sache gefällt mir an der dm-Grafik: Sie zeigt keine Breischüssel. Beikost muss also nicht Brei sein. Im neuen Text erklärt dm inzwischen auch Baby-led Weaning, also den Start mit Fingerfood.

Ich wünsche mir trotzdem, dass Anbieter von Beikostplänen ihre Grafiken genauso aktuell halten wie ihre Texte. Gerade bei so viel Reichweite und so viel Vertrauen von Eltern.

Beikostplan ab dem 4. Monat?

Viele Pläne beginnen schon mit dem 4. Monat. Mit 4 Monaten ist aber fast kein Baby beikostreif, und Muttermilch oder Pre-Milch reicht ihm bis zum Beikoststart (ca. 6 Monate). Die neue Leitlinie zur Stilldauer und die WHO empfehlen, die ersten 6 Monate ausschließlich zu stillen. Was gegen einen so frühen Start spricht, liest du in Babybrei ab dem 4. Monat: warum davon abgeraten wird.

Beikostplan mit 7 und 8 Monaten

Mit 7 oder 8 Monaten sieht jeder Tag anders aus, je nachdem, wann ihr gestartet seid. Hat dein Baby mit 6 Monaten angefangen, isst es mit 7 Monaten meist 1 bis 2 Mahlzeiten am Tag und mit 8 Monaten 2 bis 3. Hat es erst mit 7 Monaten begonnen, ist es mit 8 Monaten oft noch bei einer Mahlzeit. Beides ist in Ordnung. Milch bekommt dein Baby in dieser Zeit weiter nach Bedarf.

Wie also dann Beikost einführen?

Ich weiß, Pläne geben Sicherheit, und wir wünschen uns für unsere Babys ganz besonders viel Sicherheit. Babys funktionieren aber nur selten nach Plan. Jedes entwickelt sich anders, und deshalb ist es so wichtig, auf seine Zeichen zu achten und auf dein Bauchgefühl zu hören. Vor allem dann, wenn du merkst, dass etwas gar nicht funktioniert.

Egal ob Brei oder Fingerfood: Fett ist für Babys wichtig. In den Gemüse-Kartoffel-Brei gehört 1 EL Öl. Welches Öl passt, liest du in Welches Öl für Babybrei?

Wie du Beikost babyfreundlich einführen kannst, erfährst du in meinem Grundlagenbuch So isst dein Baby Beikost.

Häufige Fragen zum Beikostplan

Was ist ein Beikostplan?

Ein Beikostplan zeigt, in welcher Reihenfolge du Mahlzeiten einführst und wann es Beikost und wann Milch gibt. Er ist eine Orientierung, keine Pflicht.

Ersetzt die Beikost die Milch?

Am Anfang nicht. Beikost ergänzt die Milch. Biete nach jeder Mahlzeit weiter Muttermilch oder Pre-Milch an. Erst wenn dein Baby eine Milchmahlzeit immer wieder ablehnt, hat die Beikost sie ersetzt.

Wann startet der Beikostplan?

Mit der Beikostreife, bei den meisten Babys zwischen dem 5. und 7. Monat. Nicht nach dem Kalender.

Wie viele Mahlzeiten isst mein Baby mit 8 Monaten?

Das hängt davon ab, wann ihr gestartet seid. Meist sind es 2 bis 3 Mahlzeiten am Tag, dazu Milch nach Bedarf.

Was ist der Unterschied zwischen Beikostplan und Breifahrplan?

Meist ist dasselbe gemeint. Breifahrplan nennt man den klassischen Stufenplan mit Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei, Milch-Getreide-Brei und Getreide-Obst-Brei. Ein Beikostplan kann auch Fingerfood enthalten.

Gibt es den Beikostplan als PDF?

Die Tabelle oben kannst du dir als Bild speichern oder ausdrucken. Wenn du ohne Brei starten möchtest, schicke ich dir mein 0 € eBook „So is(s)t dein Baby breifrei“ als PDF per E-Mail. Trag dich dafür hier ein:

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