Kurz gesagt: Würgen beim Essen ist normal. Es ist ein Schutzreflex, der Essen von den Atemwegen fernhält, und kein Verschlucken. Solange dein Baby hustet, würgt und Luft bekommt, greifst du nicht ein. Gefährlich wird es, wenn es still wird, nicht husten kann und blau anläuft.
Würgen ist nicht Verschlucken
Fragen, die ich rund um den Beikoststart oft höre:
- Kann mein Baby sich an Brei verschlucken?
- Kann mein Baby sich bei Baby-led Weaning verschlucken?
- Ist die Beikosteinführung ohne Babybrei gefährlich?
In diesem Beitrag erkläre ich dir den Unterschied zwischen Würgen und Verschlucken, warum dein Baby würgt und was du dann tust. Würgen ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der vor dem Verschlucken schützt. Und zum Schluss erfährst du, ob Ida sich schon mal verschluckt hat.
Warum würgt mein Baby beim Essen?
Dein Baby würgt beim Essen? Das ist normal und gehört zum Essenlernen dazu.
Wenn dein Baby würgt, erschrick nicht. In diesem Moment hat es sich nicht verschluckt. Eine zu große Menge Essen ist nach hinten an den Gaumen gekommen. Der Würgereflex sitzt bei Babys weiter vorne im Mund und ist empfindlicher als bei Erwachsenen. Dein Baby würgt automatisch und befördert das Essen wieder nach vorne.
Der Würgereflex ist gut, denn er verhindert, dass Essen in die Atemwege gelangt.
Hast du dir schon mal die Zahnbürste zu tief in den Mund gesteckt? Das ist derselbe Effekt.
Manche Babys würgen am Anfang häufiger, manchmal bis zum Erbrechen. So beängstigend das aussieht, es gehört zum Lernen dazu und wird meist nach einigen Wochen besser.
Wann es wirklich gefährlich wird, liest du weiter unten.
Würgen und Verschlucken sicher unterscheiden
Du willst beim Essen ruhig bleiben, weil du weißt, was normal ist und was nicht? Der Leitfaden „Verliere die Angst vor dem Verschlucken“ zeigt dir den Unterschied zwischen Würgen, Verschlucken mit Husten und Verschlucken ohne Husten. Dazu bekommst du die Erste Hilfe Schritt für Schritt und erfährst, wie du Lebensmittel sicher zubereitest.
Würgen beim Baby: ein natürlicher Schutzmechanismus
Würgen ist ein natürlicher Schutzmechanismus und normalerweise nicht gefährlich. Im Gegenteil: Der Würgereflex hält Essen von den Atemwegen fern und schützt so vor dem Verschlucken.
Bei Babys sitzt der Würgereflex viel weiter vorne als bei Erwachsenen. Was dramatisch aussieht, ist also meist kein Grund zur Sorge.
Würgereflex beim Baby: wie lange würgen Babys?
Ein genaues Alter gibt es nicht. Die meisten Babys würgen nach einigen Monaten Übung mit Beikost deutlich seltener (Solid Starts). Babys, die mit Fingerfood starten, würgen am Anfang oft mehr und später weniger. Würgen zeigt dir, dass dein Baby gerade lernt.
Baby würgt bei Brei: warum?
Auch Brei-Babys würgen. Häufige Gründe sind zu viel Brei auf dem Löffel, ein Löffel, der zu weit in den Mund kommt, oder Stückchen im Brei, die dein Baby noch nicht kennt. Gib nur wenig Brei vorne auf den Löffel und lass dein Baby den Mund selbst öffnen und zum Löffel kommen.
Baby würgt oft: wann zum Kinderarzt?
Sprich mit eurem Kinderarzt, wenn dein Baby
- nach 2 bis 3 Wochen Brei noch bei fast jeder Mahlzeit würgt,
- nach 1 bis 2 Monaten Fingerfood noch bei fast jeder Mahlzeit würgt,
- nach dem Würgen regelmäßig sehr aufgewühlt ist oder erbricht,
- bei fast jeder Mahlzeit erbricht, auch mit leerem Magen.
Der Kinderarzt kann euch an eine Fachperson für Essen und Schlucken überweisen (Solid Starts).
Baby würgt: Was tun?
Was solltest du tun, wenn dein Baby würgt? Nichts außer beobachten. So schwer es fällt, du hilfst deinem Baby, wenn du ruhig bleibst und nicht eingreifst, auch wenn es laut wird.
Was du auf keinen Fall tun solltest: das Essen mit dem Finger aus dem Mund holen. Damit schiebst du es eher weiter nach hinten und erhöhst die Gefahr, dass dein Baby sich wirklich verschluckt.
Baby verschluckt sich und bekommt keine Luft
Gefährlich wird es, wenn dein Baby keine Luft mehr bekommt. Ein Baby, das sich ernsthaft verschluckt hat, bei dem also etwas in den Atemwegen steckt, wird oft ganz still. Es kann nicht husten oder schreien und läuft im Gesicht blau an.
Dann musst du schnell handeln: Ruf die 112. Bei Babys unter einem Jahr wechselst du Rückenschläge und Bruststöße ab. Den Heimlich-Griff (Oberbauchstöße) wendest du bei Babys nicht an, er ist erst für Kinder über einem Jahr gedacht (ERC).
Wie die Handgriffe genau gehen, lernst du am besten in einem Erste-Hilfe-Kurs. Lesen ersetzt das Üben nicht.
Ich empfehle dir den Online-Kurs von deinkinderdoc: Kinderarzt Dr. Aaron erklärt dir in Videos, was du im Notfall tust, auch wenn sich dein Kind verschluckt. Du hast lebenslang Zugang und darfst den Kurs mit deiner Familie teilen. Über meinen Link bekommst du 20 % Rabatt: Zum Erste-Hilfe-Kurs von deinkinderdoc*
Wie hoch ist die Erstickungsgefahr?
Es gibt eine randomisierte kontrollierte Studie aus Neuseeland (BLISS), die untersucht hat, ob Babys sich bei Fingerfood häufiger verschlucken als bei Brei. Das Ergebnis: Babys, die ihr Essen selbst in die Hand nahmen, haben sich nicht häufiger verschluckt als die Babys, die gefüttert wurden (Fangupo 2016). Die Eltern in der Studie wussten allerdings, welche Lebensmittel sie wie anbieten.
Die Angst vor Baby-led Weaning ist also weitgehend unbegründet, wenn du das Essen babyfreundlich zubereitest.
Ist breifreie Beikost gefährlicher als Brei?
Das Risiko, dass dein Baby sich an Fingerfood verschluckt, ist nach dieser Studie nicht größer als beim Füttern mit Brei.
Beim Füttern bestimmst du den Löffel, nicht dein Baby. Es kann schwer einschätzen, wie schnell und wie tief der Löffel in den Mund kommt. Beim Fingerfood steuert dein Baby selbst, was in den Mund kommt.
Für eine sichere Beikosteinführung solltest du die wichtigsten BLW-Grundprinzipien kennen: Dein Baby sitzt aufrecht, du bleibst beim Essen immer dabei, und das Essen ist babyfreundlich zubereitet. Mehr dazu liest du in meinem Beitrag zur Angst vor dem Verschlucken.
Vor dem Beikoststart sollte dein Baby die Beikostreifezeichen zeigen.
Die drei Beikostreifezeichen sind:
- eigenständiges oder unterstütztes Sitzen
- kontrollierte Koordination von Augen, Hand und Mund
- Der Zungenstoßreflex lässt nach
Wann dein Baby beikostreif ist, hängt von seiner Entwicklung ab. Meist zeigt es dir um den 6. Monat herum durch sein Verhalten, dass es bereit ist. Wie du die Reifezeichen erkennst, liest du in meinem Beitrag Beikostreife erkennen.
Hat sich Ida schon mal verschluckt?
Nein. Ida hat sich während ihrer Beikosteinführung ohne Babybrei nie verschluckt.
Sie hat ein einziges Mal ein Stück Gurke wieder hochgewürgt. Damals wusste ich noch nicht, dass rohe Gurke für Babys nicht geeignet ist. Natürlich war ich erst erschrocken, bin aber ruhig geblieben und habe beobachtet, wie Ida mit der Situation allein zurechtgekommen ist.
Auf den Würgereflex war Verlass: Sie hat das Stück hochgewürgt und ausgespuckt.
An Getränken verschluckt sie sich heute noch manchmal, aber die hustet sie ebenso gekonnt ab.
Mit Zuversicht in die Beikosteinführung
Egal ob mit oder ohne Brei: Vertrau auf die Fähigkeiten deines Babys. Wenn du trotzdem noch unsicher bist, nimm dir den Leitfaden „Verliere die Angst vor dem Verschlucken“. Du weißt danach, was beim Essen normal ist, was gefährlich ist und was du im Ernstfall tust.
Häufige Fragen zum Würgen beim Baby
Ist Würgen beim Baby gefährlich?
Nein. Würgen ist ein Schutzreflex, der Essen von den Atemwegen fernhält. Dein Baby hustet, würgt und bekommt dabei Luft. Greif nicht in den Mund, sondern bleib ruhig dabei.
Wie lange würgen Babys beim Essen?
Ein genaues Alter gibt es nicht. Meist wird es nach einigen Monaten Übung deutlich seltener.
Was tun, wenn mein Baby würgt?
Ruhig bleiben, beobachten und nicht eingreifen. Erst wenn dein Baby still wird, nicht husten kann und blau anläuft, hat es sich verschluckt. Dann rufst du die 112 und leistest Erste Hilfe.
Verschlucken sich Babys bei BLW öfter als bei Brei?
Nein. In der BLISS-Studie aus Neuseeland haben sich Babys mit Fingerfood nicht häufiger verschluckt als gefütterte Babys, wenn die Eltern das Essen babyfreundlich zubereitet haben.
Quellen
- Fangupo et al. (2016): A Baby-Led Approach to Eating Solids and Risk of Choking, Pediatrics
- European Resuscitation Council: Leitlinien lebensrettende Maßnahmen bei Kindern
- Solid Starts: Gagging
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